Schätze der Ukraine

Ein Projekt über die Altersarmut in Kiew, 2019

 

Über das Projekt: 

 

In der Sowjetunion geboren und aufgewachsen, sehen sich zahlreiche Frauen in der heutigen unabhängigen Ukraine mit einer harten Realität konfrontiert: Die staatliche Rente ist gering - sie reicht kaum zum Leben. Daher nutzen viele von ihnen ihre Gärten, um Obst und Gemüse anzubauen, das sie dann in entfernten Städten verkaufen. Diese alten Frauen - oft mit bunten Tüchern bekleidet - prägen das Stadtbild auf einzigartige Weise.

 

In den Straßen von Kiew musste ich mit Übersetzern arbeiten. Ich sprach viele alte Frauen an und interviewte sie. Die Fragen, die ich stellte, dienten dazu, Informationen über ihr derzeitiges Umfeld und ihre früheren Berufe zu sammeln. Die meisten von ihnen begannen, mir alles Mögliche über ihre Vergangenheit, ihre Familien und ihre Länder zu erzählen. Viele verschiedene Schicksale, aber ein Thema tauchte immer wieder auf: Eine unzureichende Rente, die sie zwingt, für den Rest ihres Lebens zu arbeiten. Also habe ich systematisch fotografiert, was ich gesehen habe.

 

Die Bilder sind nun in vier separate Stapel aufgeteilt - jeder mit seinem eigenen Thema: Orte, Porträts, Waren und Hände. Jedes Bild aus jedem Stapel kann beliebig mit jedem anderen Bild kombiniert werden. Darüber hinaus sind die umgebenden Geschichten nicht direkt an ein einzelnes Bild gebunden, sondern laden die Betrachtenden ein, eigene Erzählungen aufzubauen. Dies unterstützt die Idee, nicht nur ein paar konkrete Beispiele zu zeigen, sondern das Ausmaß des Problems zu vermitteln. Was man hier sieht, ist nur ein kleiner Ausschnitt, aber die Situation betrifft die ganze Gesellschaft.

 

Inspiration für dieses Projekt fand ich während einer Reise durch Osteuropa und Russland: Wo immer ich hinkam, sah ich diese alten Frauen. Es ist offensichtlich, dass sie nicht genug Geld haben. Als Unkundiger in dieser Materie wollte ich diesen Rentnerinnen im Osten die verdiente Aufmerksamkeit schenken, denn ich glaube, dass man die Stärke einer Gesellschaft nur daran erkennen kann, wie sie ihre schwächsten Mitglieder behandelt.